FPSB zur Reform der Altersvorsorge: Schritt in die richtige Richtung, aber es besteht Nachbesserungsbedarf

Neue Pressemitteilung des FPSB Deutschland: FPSB zur Reform der Altersvorsorge: Schritt in die richtige Richtung, aber es besteht Nachbesserungsbedarf

Dass es dringend eine Reform unseres Rentensystems braucht, dürfte jedem hinlänglich bekannt sein. Anfang Dezember wurde nun mit dem ersten Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums zur Reform der steuerlich geförderten Altersvorsorge ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung unternommen. „Im Kern geht es um ein Altersvorsorgedepot mit staatlicher Förderung, das viele strukturelle Probleme der bisherigen Riesterrente adressiert“, ordnet Marcel Reyers, CFP®, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Financial Planning Standard Board (FPSB) Deutschland, den Reformvorschlag ein. Und dieser erste Entwurf bietet aus Sicht des FPSB eine ganze Reihe positiver Aspekte.

So gab es bei der Riester-Förderung bislang eine sehr komplexe und einkommensabhängige Berechnung des Mindesteigenbeitrags, die mit dieser Reform abgeschafft wird. „Stattdessen ist die Botschaft an die Kunden nun sehr einfach: 120 Euro Mindestbeitrag plus 30 Cent Förderung pro gesparten Euro“, so Reyers. Wichtig ist zudem, dass Sparer laut den geplanten Änderungen, anders als bei der Riesterrente, die Möglichkeit haben, zwischen 80- und 100-prozentigen Garantieprodukten zu wählen oder ganz auf Garantien zu verzichten. „Das erhöht die Flexibilität“, so der Finanzplaner, „und Berater können somit künftig sehr viel genauer auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden eingehen und die Produktauswahl besser an die persönliche Risikoneigung anpassen.“

Kostendeckelung

Dazu kommt die Kostendeckelung. Beim neuen Standarddepot sind die Effektivkosten auf maximal 1,5 Prozent begrenzt. Das entspricht auch dem, was international als beste Lösung angesehen wird. „Das ist deshalb von großer Bedeutung, weil hohe Kosten stets direkt zu Lasten des Gewinns gehen und Anleger damit folglich die Chance haben, ihre Rendite nachhaltig zu verbessern“, so Reyers. Dies ist ein weiterer wichtiger Baustein, um möglichst vielen Bürgern hierzulande eine kostengünstige Altersvorsorge zugänglich zu machen – etwas, was der FPSB Deutschland seit Jahren immer wieder fordert. „Insgesamt gehen wir davon aus, dass die geplanten Änderungen die tägliche Beratungspraxis zum Vorteil der Sparer erheblich vereinfachen werden“, folgert Reyers. Dazu begrüßt er auch in der Möglichkeit, dass Standarddepots online abgeschlossen werden können – unerlässlich im Zeitalter der Digitalisierung.

Nachbesserungen notwendig

Trotz all dieser positiven Aspekte sehen die Professionals des FPSB Deutschland aber auch dringenden Nachbesserungsbedarf beim Referentenentwurf. „Das gilt vor allem deshalb, weil die Auszahlungspläne nur bis zum 85. Lebensjahr laufen müssen“, sagt Reyers. „Dies ist angesichts der demografischen Entwicklung hierzulande hochproblematisch, da das demografische Risiko der steigenden Lebenserwartung damit nur unzureichend berücksichtigt wird.“ Laut FPSB Deutschland erreichen heute 50 Prozent der 65-jährigen Frauen ein Alter von über 85 Jahren, bei Männern sind es etwa 40 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens ein Partner eines Ehepaares 90 Jahre oder älter wird, liegt damit bei über 60 Prozent. „Aus fachlicher Sicht empfehlen wir vom FPSB Deutschland deshalb, die Mindestablaufzeit anzupassen und auf 95 Jahre anzuheben oder eine verpflichtende Langlebigkeitsreserve einzuführen“, sagt Reyers. Denn wenn das Geld zu früh aufgebraucht ist, besteht das Risiko von Altersarmut in den letzten Lebensjahren.

Zudem gilt es zu bedenken, dass die enorme Produktvielfalt, die den Sparern damit zugänglich wird, eine qualifizierte Beratung erfordert. „Anlageberater müssen in der Lage sein, das Konzept der Renditechancen ohne Garantie verständlich zu erklären, die Auswirkung einer 80-Prozent-Garantie zu verdeutlichen und das Langlebigkeitsrisiko bei Auszahlungsplänen zu kommunizieren“, sagt Reyers. „Das macht insbesondere die Risikoberatung komplexer.“ Deshalb fordert der FPSB Deutschland die Einführung von Mindestberatungsstandards, die eine qualifizierte Risikoprofilerstellung, umfassende Aufklärung über Langlebigkeitsrisiken und eine ordnungsgemäße Dokumentation der Produkteignung vorsehen.

Stärkung der Beratungsstandards

Das gilt umso mehr, da die geplanten Übergangsregelungen für Bestandsverträge zwar grundsätzlich kundenfreundlich, jedoch auch komplex sind. Die automatische Umstellung bei Neuabschlüssen ab 2027 wird zu Beratungssituationen führen, in denen Kunden mit unterschiedlichen Fördersystemen jonglieren müssen. Hier sind gute Prozesse eine wesentliche Voraussetzung für eine verbrauchergerechte Beratung. Die vom FPSB Deutschland zertifizierten CERTIFIED FINANCIAL PLANNER® können dabei sowie bei allen anderen Fragen rund um die Geldanlage und die langfristige ganzheitliche Finanzplanung wertvolle Hilfestellung leisten. „Es wäre deshalb wichtig, parallel zu dieser Reform auch die Beratungsstandards in Deutschland zu stärken“, so das Fazit von Marcel Reyers.

Quelle: Financial Planning Standards Board Deutschland e.V. – Newsletter vom 15.12.2025

www.fpsb.de

Bild: Vitaly Gariev auf Unsplash

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